Im Sport geht es nicht um Muskeln und „Power-Workouts“, sondern um Bewegungsoptimierung. Muskeln sind nur ausführende Organe komplexer Wechselwirkungen einer Integrationsleistung des Gehirns. Der Stärkste im Kraftraum ist daher nicht der Beste auf dem Feld oder auf der Strecke.
Um die Voraussetzungen für Bewegung zu verbessern, konzentrieren wir uns in unserem Ansatz auf die Optimierung grundlegender Funktionen:
- Visuelle Fertigkeiten
- Balance
- Propriozeption
Im Folgenden stellen wir einige Richtlinien für den Aufbau von individuellen Programmen zusammen, die das Ziel einer Leistungssteigerung durch Bewegungsoptimierung verfolgen. Athlet und Trainer sollten sich bewusst sein: das größte Potential für jede Leistungssteigerung erfolgt über eine Bewegungsoptimierung. Diese Sichtweise beruht auf dem Standpunkt, dass jede Bewegung eine Fertigkeit ist und daher geübt werden kann.
Technik, Technik, Technik...
...so lautet das Zauberwort für bessere sportartspezifische Bewegung. Je schneller oder explosiver Bewegungen, desto schwieriger sind diese zu erlernen. In der Verbesserung der Technik liegt unserer Ansicht nach das größte Potential für Leistungssteigerungen und Vermeidung von häufigen Verletzungen.
Primäres Ziel von Techniktraining: die Vermittlung der richtigen Bewegungserinnerung an das gewünschte motorische Programm.
Hier ist große Genauigkeit gefordert. Wird in dieser Phase weniger Wert auf höchste Präzision gelegt, so wird GENAU dieses weniger effiziente Bewegungsmuster im Bewegungsgedächtnis abgelegt und immer wieder abgerufen. Änderungen sind später schwieriger zu erlernen. Die Propriozeption spielt in dieser Phase eine entscheidende Rolle, denn ein Bewegungsprogramm bedeutet nichts anderes als: „So fühlt sich das an“.
Die richtige Geschwindigkeit beim Bewegungslernen bzw. Techniktraining hat ebenfalls eine besondere Bedeutung: Hier gibt es den Begriff der sog. kritischen Bewegungsgeschwindigkeit. Damit ist jene Schwelle gemeint, bei der man die Bewegung immer noch bewusst ausführen und auf Korrekturhinweise reagieren kann. Oberhalb dieser Schwelle wird Bewegung nur automatisiert.
Automatisierung von Bewegung beim Menschen ist jedoch immer gewissen Fluktuationen unterworfen, HATZE (1986) hat bereits auf die Unmöglichkeit identischer Bewegungen hingewiesen, was schon bei einfachen Bewegungsformen zu beobachten ist.
Individualität von Bewegungsmustern
Vergleicht man Elite-Athleten in ihren jeweiligen Disziplinen, fallen die unterschiedlichen Techniken auf, mit denen die Leistungen erbracht werden. Hier wird deutlich, dass es eine Individualität von Bewegungsmustern gibt. Diese hängt mit den unterschiedlichen anatomisch-physiologischen Voraussetzungen des Athleten zusammen. Vor diesem Hintergrund haben allgemeine Technikleitbilder immer nur eine begrenzte Gültigkeit. In der Praxis ist die Aufgabe des Trainers, durch den Einsatz von vielfältigen Variationen der Bewegungsausführung und Variationen in den Bewegungsbedingungen, dem Athleten zu helfen seine Optimalbewegung zu finden.
Veränderungen von

- Ausgangsstellung
- Endstellung
- Bewegungsrichtung
- Bewegungsgeschwindigkeit
- Krafteinsatz
- Bewegungsumfang
Einsatz von erschwerten Bedingungen
- Hindernisse
- Einschränkungen bei den Sinnesorganen
- Balance
Modifiziert nach MECHLING / EFFENBERG (1999)
Im Freizeitsport hat ein breites Übungsangebot den Vorteil, dass mit dessen Zunahme die Wahrscheinlichkeit steigt, dass für jeden Klienten eine geeignete Übung dabei ist. Nicht zuletzt ist diese Vorgehensweise auch aus motivationalen Gründen zu empfehlen.
Fazit
Die finnische Studie und gängige Praxiserfahrungen zeigen: Ein passendes Trainingsprogramm für alle gibt es nicht. Die Aufgabe des Trainers ist die Ausarbeitung eines geeigneten Programms, welches sich unter Berücksichtigung der Zielsetzungen, an den individuellen Voraussetzungen des Athleten orientiert. Ein entscheidender Punkt bei der Gestaltung des Trainings ist die Vielfalt der Belastungen. Freizeitsportler sollten hierbei berücksichtigen, dass es sich nicht allein um Vielfalt innerhalb einer motorischen Fähigkeit, wie nur Kraft oder nur Ausdauer handeln sollte, sondern jegliche Form neuer koordinativ ansprechender Trainingsformen erforderlich ist. Dadurch kann ein Trainingsprogramm auch fundamentalen neurowissenschaftlichen Prinzipien gerecht werden, wie z.B. dem der Neuroplastizität. Damit kommt man dem Ziel eines individuellen Trainingsprogramms sehr nahe.







