Mein Kollege, der Parkour-Experte und international zertifizierte Kraft- & Konditionstainer Markus Luksch, berichtete mir kürzlich, die Übungen von Z-Health haben seine Reflexe spürbar verbessert. Als gehirnbasiertes Training erreicht Z-Health in kürzester Zeit erstaunliche Resultate: Weniger Schmerzen, bessere Körperhaltung, mehr Kraft, höhere Körperkontrolle, bessere Körperwahrnehmung.
Das beste Training nützt jedoch nichts, wenn falsche Gewohnheiten, 7 Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag, alles wieder zunichte machen. Ein großer Fehltritt sind falsche Schuhe.
Jedes Jahr werden hunderte Millionen Euro für alle möglichen Sportschuhe ausgegeben, die helfen sollen den „richtigen“ Gang oder den korrekten Laufstil zu fördern. Weitere Millionen fließen in spezielle Einlagen, welche die „natürliche“ Fußbalance wiederherstellen sollen. Hat die Evolution in den letzten Jahrmillionen unser Fahrgestell zu einer völligen Fehlentwicklung heranreifen lassen? Wie konnten wir zuvor ohne die segensreichen Schuh- und Einlagentechnologien auskommen? Oder haben sich kommerzielle Interessen gegen die Natur des Menschen erhoben? Vielleicht ist ein Schuh auch mehr Status- und Modesymbol, als ein funktionelles Kleidungsstück?
Die Natur als Lehrmeister
Unsere Füße sind normalerweise sehr beweglich. 25 Prozent der Gelenke des Menschen befinden sich in den Füßen! In den letzten paar Millionen Jahren hat sich diese Konstruktion evolutionär durchgesetzt, denn dadurch ist der Fuß in der Lage sich jedem Untergrund perfekt anzupassen.
Zudem erhält das Gehirn eine Menge Informationen von frei beweglichen Gelenken. Dort befinden sich verschiedene Arten von Rezeptoren, die helfen Bewegungsabläufe zu kontrollieren. Je freier sich die Gelenke bewegen können, desto besser laufen die Wahrnehmungs- und Steuerungsprozesse des Nervensystems ab. Dieses Regelungssystem wird als Sensomotorik bezeichnet. Die Resultate: Schnellere Reflexe, präzisere Bewegungen, höhere Kraftentfaltung.
Dummerweise kam der Mensch vor wenigen hundert Jahren auf die geistreiche Idee Schuhe zu konstruieren, die genau das verhindern. Sie stützen, führen und verhindern die Bewegung der 26 Fußknochen. Zudem haben die meisten Schuhe eine andere Form als der Fuß, so dass sich die Füße über Jahre der Schuhform anpassen und nicht umgekehrt.
Es ist eine Fehlannahme, dass Füße das Körpergewicht tragen und deshalb durch stabilisierende Schuhe gestützt werden müssen: Füße verteilen das Körpergewicht gleichmäßig. Auch Dämpfungssysteme sind überflüssig, da die äußerst bewegliche Konstruktion der Füße eine Ableitung von Bewegungsenergie in den Boden optimal ermöglicht.
Absätze und ihre Folgen
Unter Führung der American Academy of Orthopaedic Surgeons wurde ein Poster veröffentlicht, welches die biomechanischen Veränderungen am Bewegungsapparat verdeutlicht.
Die (mittel- und langfristigen) Adaptationen der knöchernen Strukturen, sind als Folge von unmittelbaren Veränderungen von Steuerungsprozessen des Zentralen Nervenstems zu sehen. So führen Absätze zu einer andauernden Kontraktion der Wadenmuskulatur, die als Folge eine dauerhafte Erhöhung ihres Tonus' zur Folge hat. Über ihre myofaszialen Verbindungen kann dies zu Problemen weit entfernten Körperpartien führen. Biomechanisch verursachen Absätze eine Verlagerung der Körperschwerpunktes nach vorn. Um nicht vorne über zu kippen, wird das Becken automatisch aufgerichtet, was wiederum durch eine veränderte Statik der Wirbelsäule ausgeglichen wird. Die Ausprägung von Lordosen und Kyphose ändern sich kompensatorisch. Ein Absatz von 5 Zentimetern erhöht den Druck auf den Vorderfuß um 57 Prozent. Bei 7,6 Zentimeter Absatzhöhe steigt der Druck sogar um 76 Prozent.
Absatz → neurale Neuprogrammierung → kompensatorische Muster → strukturelle Veränderungen
Durch eine veränderte Gelenkbalance, kommt es zu einer Neuprogrammierung von Bewegungsmustern, die in einem anderen Timing der an einer Bewegung beteiligten Muskeln zum Ausdruck kommen. Auch Reflexe können dadurch beeinflusst werden. Zu langsame oder falsch zusammengesetzte Reflexantworten führen verminderter Bewegungskontrolle und damit zu häufigeren Verletzungen bei sportlichen Aktivitäten. Zu enge und unnatürlich geschnittene Schuhe verursachen zudem pathologische Schiefstände, wie Hallux valgus oder Hammerzehen.
Eine Studie an 20 gesunden Frauen konnte zeigen, dass hohe Absätze, im Vergleich zum Barfuß gehen, einen Anstieg der Kompressionskräfte im Kniegelenk um durchschnittlich 23 Prozent bewirken. Derartige Belastungen können degenerative Erkrankungen wie Arthritis stark begünstigen (Kerrigan DC, Todd MK, Riley PO. Knee osteoarthritis and high-heeled shoes. Lancet 1998 May 9;351(9113):1399-401).
Leider haben sich die meisten Menschen so sehr an ihre fehlerhaften Bewegungsmuster und Körperhaltungen gewöhnt, dass diese als „normal“ wahrgenommen werden. Vielleicht sollte man besser sagen „nicht wahrgenommen“ werden, da das sensorische Feedback durch Schuhe und den passiven Lebensstil unterdrückt wird. Es ist, als ob man ständig Ohrenstöpsel trägt, die Reize aus der Umwelt dämpfen und weniger Informationen zum Gehirn fließen lassen.








