Bewegungsquantität ist relativ einfach zu definieren: Hierunter fallen alle Parameter, welche man objektiv im sogenannten [CGS]-System messen kann. [CGS] steht hierbei für für die englische Abkürzung von [Centimetre Gram Second], also [Zentimeter Gramm Sekunde]. Unter quantitative Angaben im Training fallen im Allgemeinen Faktoren wie
- Intensität (z.B. Höhe des Gewichtes / Herzfrequenzen)
- Umfang (z.B. Trainingsvolumen / Entfernungen)
- Spannungsdauer (Zeit unter muskulärer Spannung)
- Leistung (Arbeit innerhalb eine bestimmten Zeit)
- Trainingshäufigkeit (Trainingseinheiten pro Woche)
Quantät bezieht sich also auf das „wieviel“, wohin gegen Qualität auf das „wie“ von Bewegungen abzielt. Ein Beispiel: Ein Sportler schafft 150 kg für zehn Wiederholungen bei der Übung Kniebeugen. Diese Angabe lässt jedoch völlig offen „wie“ bzw. in welcher Form er diese Leistung vollbringt:
Führt der Sportler tiefe oder nur halbe Kniebeugen aus? Wie ist die Haltung der Wirbelsäule? Knicken die Knie während der Aufwärtsbewegung nach innen? Wie sind die Füße platziert? Ist eine Entlordodisierung in der untersten Position zu erkennen? Wie ist die Augenposition? Wie ist die Kopfposition? Wie ist die Stellung des Beckens?.....etc. Leistung ist also - in qualitativer Hinsicht- nicht gleich Leistung.
Um eine Leistung unbedingt zu realisieren, wird der Körper stets die Qualität der Bewegungsausführung zugunsten der Erbringung der Leistung opfern.
Man schaue sich nur die hiesigen Marathon-Events an, bei denen sich zehntausende von Läufern über die 42,195 km lange Strecke quälen.Viele zeigen eindrucksvoll, wie der Geist den Körper besiegen kann – im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit einem ökonomischen fließenden und harmonischen Bewegungsablauf hat dies oft wenig zu tun. Da der Marathon zum Hype geworden ist und der 10 km Volkslauf nicht mehr ausreicht, um den Ansprüchen vieler Einsteiger gerecht zu werden, wird sofort von 0 auf 42 gestartet – egal wie, Hauptsache durch. Es ist schon faszinierend wie robust der menschliche Körper gebaut ist und wie viel er wegstecken kann!
Im Fitnesscenter ist es oft auch nicht besser. Irgendwie "schwere" Gewichte durch die Gegend bewegen - sei es auch nur über wenige Zentimeter – das ist hier wichtig. Wenn man noch mehr draufpacken möchte, wird einfach der Bewegungsradius verringert (im physikalischen Sinne kann die Leistung durch den verringerten Hubweg sogar sinken, aber Physik ist ja nicht Jedermann's Sache). Leistung um jeden Preis HAT jedenfalls einen Preis: Verletzungen und Sportschäden sind auf lange sich unvermeidbar. Trotzdem wundern sich Viele darüber ständig verletzt zu sein oder keine Fortschritte mehr zu machen.
Auch der Nachahmungstrieb durch zahlreiche Videoplattformen, lässt Viele vergessen, das die Cracks in den Videos teilweise über jahrzehntelange Trainingserfahrung verfügen und sich nicht einmal ebenso ein paar spezifische Fertigkeiten in ein paar Monaten antrainiert haben.
Hinzu kommen eine ganze Reihe unqualifizierter Beiträge, in denen schlichtweg falsche Bewegungsausführungen und Trainingstechniken von Pseudoexperten gezeigt werden.
Das Internet ist zum Informationsmedium Nummer eins geworden, dies hat sicherlich viele Vorteile. Das eigentliche Problem ist jedoch, dass es in der heutigen Zeit nicht zu wenig, sondern zu viele Informationen gibt und sich viele Leute mehr in Internetforen aufhalten, als beim Training selbst. Mein Freund Harald Gärtner hat hierzu einen guten Artikel geschrieben.
Die funktionelle Motorikpyramide
Sportliche Bewegungsabläufe, wie der Golfschwung, Sprintstart, Kugelhantel-Swing, Tanzschritte, Liegestütz, Schwimmzug, Ausstoßen, Ruderschlag, Flop, etc ….werden als sportartspezifische Fertigkeiten
bezeichnet, sie stellen gewissermaßen die Spitze der Motorikpyramide dar, dessen Fundament diese speziellen Fertigkeiten erst ermöglicht. In Anlehnung an Gray Cooks „Functional Performance Pyramid“ haben wir seinen Ansatz modifiziert. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass unserem Modell das Fundament von Bewegung ausschließlich durch Propriozeption, also jenem Sinn, der für die Eigenwahrnehmung zuständig ist, bestimmt wird. Cook setzt hier Flexibilität, Mobilität und Stabilität auf eine Stufe mit Propriozeption. Da diese Faktoren jedoch von der Propriozeption abhängig sind, steht in unserer modifizierten Pyramide das Bewegungsfundament alleine auf der propriozeptiven Ebene.
Zudem haben wir den Begriff Propriozeption durch Sensomotorik ersetzt, da dieser Begriff das Zusammenspiel von sensorischen und motorischen Leistungen auf Nervensystemebene besser widerspiegelt. Im Zuge einer genaueren Begriffsdefinition haben wir ebenfalls Plyometrie durch Explosiv- und Reaktivkraft ersetzt.
Ohne Bewegung kommen beim Menschen die Fähigkeiten Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit oder Explosiv- und Reaktivkraft nicht zum Vorschein. Diese Fähigkeiten sind immer in einer Bewegung „verpackt“.
Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Wer ist der stärkste Athlet? Der Turner, der Gewichtheber, der Kraftdreikämpfer oder Strong Man Athlet? Antwort: Stark sind zweifelsfrei alle. Da jedoch jeder völlig andere Bewegungen ausführt, ist ein Vergleich kaum möglich. Dieses Beispiel zeigt, das es Kraft an sich nicht gibt. Statt jemanden als stark zu bezeichnen, wäre es präziser zu sagen, dass einfach eine bestimmte Bewegungen besonders gut beherrscht wird. Das gleiche gilt für alle anderen sportlichen Leistungen. Die besten Sportler ihres Fachs sind dies aufgrund ihrer ausgewogenen Motorikpyramide. Sie besitzen eine erstklassige Sensomotorik (Körpergefühl), gepaart mit sehr guten Bewegungsqualitäten. Darauf basierend gute konditionelle Fähigkeiten und sportartspezifische Fertigkeiten. Was die Folgen von unzureichender Sensomotorik und Bewegungsqualität sind, kann man ab und an auch im Hochleistungssport beobachten: Eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit und im Extremfall das Ende der Karriere.
Bewegungsqualität sollte somit im Focus eines jeden Trainings stehen, egal ob Freizeit- Gesundheits- oder Leistungssport.
Voraussetzungen für Bewegungsqualität
- Funktionstüchtikeit des Zentralen Nervensystems und der Sinnesorgane
- Uneingeschränkt funktionierende Knochen, Gelenke und Faszienstrukturen
- Korrekte Bewegungsprogramme
- Konzentration und Bewusstheit







