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Mittwoch, den 02. Februar 2011 um 21:48 Uhr

Feinde eines effizienten Trainings Teil 2/2

Written by  Robert Heiduk

Der zweite Feind eines effizienten Trainings versteckt sich ebenfalls auf der unbewussten Reflexebene und ist durch konventionelle Trainingsstrategien kaum in den Griff zu kriegen. Wir reden von der sensomotorischen Amnesie (SMA).

Der Begriff SMA, auch als kinästhetische Dystonie bekannt, wurde vom Körpertherapeuten und Philosophen Thomas Hanna geprägt. Der Entwickler der Somatic Education® bzw. Hanna Somatics beschreibt SMA als ineffiziente Haltungs- und Bewegungsmuster, die sich durch Stress, Verletzungen oder Bewegungsmangel in das neuromuskuläre System „einprogrammieren“ und auf Reflexebene zu dauerhaften Kontraktionen der Muskeln führen, die man willkürlich nicht mehr steuern kann, weil man schlichtweg vergessen hat, wie man die Muskeln entspannt.

 

Wie entwickelt sich eine SMA?

Getreu dem „Use It Or Loose It“-Prinzip verliert der Mensch die Fähigkeiten, die er nicht regelmäßig gebraucht. Das evolutionäre Design des menschlichen Körpers ist für Bewegung konzipiert und zwar in vielfältiger Weise: Gehen, Laufen, Sprinten, Krabbeln, Springen, Balancieren, Klettern, Hangeln, Heben, Tragen, Ziehen, Drücken, etc...Hört der Mensch auf diese Dinge zu tun, kommt es über Jahre zu einer mehr oder weniger weit ausgeprägten SMA.

Die Wohlstandsgesellschaft hat mit ihrer modernen Technik den Raum für natürliche Bewegung weitgehend abgeschafft. Der moderne Stadtmensch ist mit einem minimal entwickelten sensomotorischen System ausgestattet, was es ihm nicht mehr erlaubt, den eigenen Körper klar wahrzunehmen und sich effizient zu bewegen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass es über viele Jahre bei den meisten Menschen zu einem Verlust an willkürlicher Kontrolle der Muskeln kommt.

 

Weitere Ursachen für SMA sind:

  • Psychische Belastungen und Langszeitstress haben messbare Einflüsse auf die Sensomotorik, die durch ständige Reflexantworten auf diese Belastungen reagiert und zu chronischen Kontraktionen führen kann.
  • Verletzungen können mit dem Ziel der Schmerzvermeidung/-verminderung zu einem willkürlichen Kontrollverlust der betroffenen Bereiche führen.
  • Überforderung und Übertraining durch einseitige Bewegungsmuster und Trainingsprogramme führen zu Übermüdung und sich wiederholenden Verletzungen.

 

Die Folgen von SMA

Eine fehlerhafte Ansteuerung der Muskeln durch das Gehirn führt zur Störung willkürlicher Bewegungen, Fehlhaltungen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von (wiederkehrenden) Verletzungen. Die mit SMA verbundenen Schmerzen werden von der Schulmedizin zumeist auf strukturelle Veränderungen (Kalkablagerungen, Stenose, Arthrose, Beckenschiefstand,etc.) zurückgeführt. Unter der neurologischen Linse sind es jedoch Funktionsstörungen des Nervensystems. Nach dieser Sichtweise sind Schmerzen ein Zeichen dafür, dass etwas im Körper nicht stimmt.


Das Problem kann oft in ganz anderen Regionen liegen als der Schmerz selbst. In der Regel wird das Problem aber nur dort gesucht, wo der Schmerz auftritt!


Die Entwicklung allgemeiner und spezieller athletischer Fähigkeiten und Fertigkeiten wird durch SMA verhindert, ohne das sich die betreffenden Sportler darüber bewusst sind, da die Fehlfunktionen auf einer Ebene niederer Gehirnschichten stattfinden, die durch unwillkürliche Reflexe gesteuert werden.

 

Motorischer und sensorischer Homunculus

Der im Bild gezeigte Homunculus visualisiert die neuronalen Verbindungen verschiedener Skelettmuskeln und sensorischen Feldern mit bestimmten Hirnarealen. Je größer die Körperteile auf diesem Foto, desto größer sind die Bereiche im motorischen Kortex, welche diese Muskeln steuern. Der motorische Homunculus ist eine verzerrte Darstellung, denn die Skelettmuskulatur ist nicht entsprechend ihrer Größe, sondern entsprechend der Feinheit ihrer Ansteuerung abgebildet.

Feinmotorische Muskeln wie Finger- und Gesichtsmuskeln sind größer repräsentiert, weil mehr Nervenzellen an ihren Aktivierungen beteiligt sind. Eine Nervenzelle steuert hier etwa 10 Muskelfasern. Dies wird als kleine motorische Einheiten bezeichnet. Große Muskeln werden von wenigen Nervenzellen gesteuert. Eine Nervenzelle kann hier bis zu 2000 Muskelfasern innervieren. Dies wird als große motorische Einheit bezeichnet.


Je größer die Körperteile auf dem Foto, desto mehr "Gehirnpower“ benötigen diese Bereiche.


Der sensorische Homunculus ist wie der motorische Bruder, nur werden hier die Bereiche größer repräsentiert, die eine höhere Sensordichte besitzen und von denen folglich mehr Afferenzen zu Gehirn ausgehen.

Das Homculus-Modell illustriert interessanterweise aber auch die Körperbereiche, welche wir in unserer hochtechnisierten Gesellschaft viel und wenig gebrauchen. Die großen Bereiche werden viel genutzt, die kleinen kaum. Aus diesem Blickwinkel ist es nicht verwunderlich, dass SMA vor allem die Skelettmuskeln betrifft, die nicht so einen großen Raum im motorischen Kortex einnehmen.

Durch das Prinzip der Neuroplastizität ist auch möglich, dass sich durch Bewegungstraining bestimmte Hirnareale stärker miteinander vernetzten. Im Homunculus-Foto würden diese Körperteile dann größer dargestellt. Je mehr Verküpfungen im Gehirn, umso "klüger" ist der Mensch. Logische Schlußfolgerung: Nicht nur Denken macht schlau, das lernen neuer Bewegungsformen ebenso!

 

Der Weg aus der SMA

Einfach nur Sport oder anderes Training ist keine Lösung SMA wirkungsvoll zu begegnen, denn sie greifen nicht auf der untersten neurophysiologischen Ebene ein.

Auch die grundlegenden Bewegungsmuster, die dem FMS zugrunde liegen, sind noch eine Stufe über der Ebene, die eine neurale Neuprogrammierung gegen SMA erfordert.

Geeignet sind Systeme wie Somatic Education, Feldenkrais und Z-Health, um SMA effizient zu therapieren. Z-Health hat den Vorteil ein speziell auf Athleten ausgerichtetes System zu sein und mit zwei aufeinander aufbauenden Bewegungs-Stufen zu agieren.


Die erste Phase ist die R-Phase: diese steht für „Re-Education“, was so viel bedeutet wie Umerziehung bzw. Neuerlernen von Bewegungen auf Basis von feinsten Gelenkbewegungen im neutralen Stand

Die zweite Phase ist die I-Phase: diese steht für „Integration“. Die Gelenkbewegungen werden in verschiedene Bewegungsmuster oder athletische Positionen integriert, und Spezifität der sportlichen Bewegungen angepasst.

Die dritte Phase ist die S-Phase: diese steht für "Sport". Hier wird das ABC des Athletiktrainings nach Z-Health-Prinzipien trainiert.


Alle Systeme nutzen die neurophysiologische Tatsache, daß die Motorik von der Sensorik bestimmt wird. Es stellt ein Regelkreismodell dar. Mit der Verbesserung des sensorischen Input, verbessert sich der motorische Output. Es kommt zur sensomotorischen Integration „vergessener“ Körperbereiche und zur Wiederherstellung der Funktion.

Last modified on Montag, den 02. Januar 2012 um 17:19 Uhr

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